Die Einführung der Einheitszeit und die Ära der Railroad-Uhren
Am 1. April 1893 wurde für das Deutsche Reich die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich – auch als Mitteleuropäische Zeit (MEZ) bekannt – gesetzlich festgelegt. Vor dieser Vereinheitlichung galt an jedem Ort die jeweilige Ortszeit, die sich streng nach dem lokalen Sonnenstand richtete. Die aufkommende Eisenbahn stellte dies jedoch vor massive logistische Probleme:
Bahnmitarbeiter mussten zeitweise mit zwei Uhren parallel arbeiten.
Die Zeitunterschiede zwischen den Städten betrugen oft bis zu 20 Minuten.
An jedem größeren Bahnhof war eine manuelle Umstellung der Uhrzeit erforderlich.
Ein anschauliches Beispiel: Wer den Bodensee umrundete, musste seine Uhr insgesamt fünfmal neu stellen. Auch das Militär forderte eine einheitliche Zeitrechnung, wie sie in England und Schottland bereits seit 1847 praktiziert wurde. In den USA führte die Problematik im Schienenverkehr ebenfalls zur Einführung einer Standardzeit. Zudem einigte man sich dort auf strenge Qualitätsstandards für Eisenbahneruhren, nachdem es 1891 in Ohio zu einer Frontalkollision zweier Züge gekommen war – verursacht durch eine Uhr, die lediglich vier Minuten nachging.
Höchste Präzision als Sicherheitsstandard
Die Anforderungen an eine zertifizierte Eisenbahneruhr wurden damals präzise definiert:
Optik: Weißes Zifferblatt,markante schwarze arabische Ziffern und kontrastreiche, gut ablesbare Zeiger.
Uhrwerk: Taschenuhrwerke in einer Größe von 16 bis 18 Linien (ca. 36 - 41 mm), bestückt mit mindestens 17 Lagersteinen.
Präzision: Die Ganggenauigkeit musste in fünf Positionen sowie bei Temperaturen von -1 bis +38 °C einjustiert sein.
Technik: Ankerhemmung, mikrometrische Regulierung und eine maximale Gangabweichung von lediglich 30 Sekunden pro Woche.
All diese historisch anspruchsvollen Kriterien erfüllt die Tourby bis ins Detail. Sie trägt daher mit vollem Recht den stolzen Titel einer echten Railroad-Uhr.